Zum „Tag der Menschenrechte“ riefen die Vereinten Nationen im Jahr 1948 den 10. Dezember aus. Es war eine Reaktion auf die Schrecken der beiden vorangegangenen Weltkriege. Den 10. Dezember begehen auch alle Soroptimistinnen weltweit als „Soroptimist Day“ und erinnern mit vielfältigen Aktionen an die Menschenrechte. Auch die SI-Clubs der SI-Metropolregion Rhein-Neckar nehmen den „Tag der Menschenrechte“ zum Anlass, um Schulen, Institutionen, Vereine und Personen zu würdigen, die sich in herausragender Weise um die Menschenrechte verdient machen. Äußeres Zeichen der Würdigung ist die „Menschenrechtstafel“, die alle Clubs der SI-Metropolregion vergeben.
Die „Menschenrechtstafel“ von Soroptimist nimmt Bezug auf die ersten drei Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. In Artikel 1 steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ In Artikel 2 werden unter anderem die freie persönliche Entfaltung und die körperliche Unversehrtheit jedes Menschen durch den Staat garantiert. In Artikel 3 bürgt die Bundesrepublik für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Das alles sind auch zentrale Anliegen von Soroptimist International. Wir setzen uns in unserem weltweiten Netzwerk für die Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen ein, für Gleichberechtigung, für den Zugang zu Bildung und gegen Gewalt an Frauen.
Seit 2011 vergeben die SI-Clubs der Metropolregion die „Menschenrechtstafel“. Wir vom SI-Club Seeheim-Jugenheim haben die „Menschenrechtstafel“ inzwischen an folgende Schulen, Vereine und Personen vergeben:
2025: Dahrsbergschule am Schuldorf Bergstraße
Am 10. Dezember 2025 verleihen wir unsere bislang achte „Menschenrechtstafel“ an die Dahrsbergschule in Seeheim-Jugenheim. Die Dahrsbergschule ist eine eigenständige Förderschule für Lernhilfe auf dem Gelände des Schuldorfs Bergstraße. Schon zur Gründung 1954 hatte das Schuldorf eigene Förderschulklassen. 1972 wurden sie zu einem Schulzweig zusammengefasst und bekamen eine eigene Leitung. Seit 1989 trägt die Förderschule im Kiefernwald den Namen Dahrsbergschule nach einem der Bergstraßenhügel zwischen Jugenheim und Alsbach. Seit 2024 verleihen wir jeweils auch einen unserer Henny-Koch-Preise an eine erfolgreiche Absolventin der Dahrsbergschule.
Mit der „Menschenrechtstafel“ würdigen wir das Engagement der Dahrsbergschule für die vielfältigen Hilfen für junge Menschen mit speziellen Bedürfnissen. Ziel der Schulausbildung an der Dahrsbergschule ist es, allen Schülerinnen und Schülern reelle Chancen auf Bildung zu eröffnen und ihnen damit den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu ebnen. Dieses Recht auf freie persönliche Entfaltung ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Grundgesetzes.
Sven Unruh, Leiter der Dahrsbergschule, bekommt die Menschenrechtstafel von SISJ-Präsidentin Christine Reckmann überreicht
2024: Paul Guire
Unsere siebte „Menschenrechtstafel“ geht 2024 erstmals an eine Privatperson: Wir würdigen damit Paul Guire für seine ganz persönliche Ukrainehilfe. Paul Guire engagiert sich als Privatmann selbstlos und teilweise auch unter Einsatz seines Lebens, um dringend benötigte Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen. Paul Guire transportiert alles, was gebraucht wird: Kleidung, Hygieneartikel, lebenswichtige Medikamente, haltbare Lebensmittel, Kerzen Solarpaneele, Kocher, aber auch Präsentboxen für Kinder in Waisenhäusern und Menschen mit speziellen Bedürfnissen in Wohnprojekten.
Alles, was wir als SI-Club in die Ukraine schicken, wird von Paul Guire sicher transportiert. Nur so ist zum Beispiel unsere Unterstützung für die Kinderkrebsstation in Kiew möglich. Putin tritt in der Ukraine die Menschenrechte mit Füßen, Paul Guire hält dagegen und kümmert sich. Die Menschen in der Ukraine sind ihm wichtig. Dieses Engagement würdigen wir mit der SI-Menschenrechtstafel.
Paul Guire bekommt die Menschenrechtstafel überreicht von SISJ-Präsidentin (2023-2024) Sibylle van de Ree (links). Charlotte Dittrich koordiniert sämtliche unserer Projekte für die Ukraine.
2023: Frauenhaus „Notwaende“ in Dieburg
Unser sechste Menschenrechtstafel am 10. Dezember 2023 verleihen wir an das Frauenwohnheim „Notwaende“ in Dieburg. Wir würdigen damit eine sozialtherapeutische Einrichtung in unserem Landkreis Darmstadt-Dieburg, die sich speziell um Frauen in Not kümmert, die aus unsere Region stammen. Das Frauenwohnheim bietet einen geschützten Wohnbereich, in dem Frauen vor Gewalt sicher sind.
Das Frauenwohnheim wird vom gemeinnützigen Verein Horizont in Dieburg getragen, der sich außerdem auch um obdachlose Männer in sozialen Notlagen kümmert und eine ambulante Beratungsstelle für Menschen in Not anbietet. Uns als Frauenclub liegt natürlich das Frauenwohnheim besonders am Herzen. Dort finden elf Frauen Platz, bei Bedarf können sie ihre Kinder mitbringen. Die Frauen versorgen sich selbst und bekommen die Unterstützung, die sie benötigen, um alleine in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. „Notwaende“ bietet Frauen Schutz vor Gewalt und ebnet ihnen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Deshalb verleihen wir dem Frauenwohnheim „Notwaende“ die SI-Menschenrechtstafel.
SISJ-Präsidentin Sibylle van de Ree (rechts) übergibt die „Menschenrechtstafel“ an Dorothea Köhler (Mitte) vom Frauenwohnheim „Notwaende“.
2022: Hospizverein Pfungstadt und Nördliche Bergstraße
Mit unserer fünften SI-Menschenrechtstafel würdigen wir am 10. Dezember 2022 die Arbeit des Hospizvereins Pfungstadt und Nördliche Bergstraße. Hospizarbeit ist heute wichtiger denn je, denn immer weniger Menschen können zu Hause nicht gepflegt werden. Hinzu kommt die Hilflosigkeit vieler Menschen angesichts des Todes, auch, weil dieser unabdingbar letzte Lebensabschnitt in der Gesellschaft tabuisiert wird. Umso wichtiger ist die Arbeit der ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und -begleiter, denn sie sind für alle da, die ihre Hilfe brauchen – vertraulich, unentgeltlich, überkonfessionell und ohne Ansehen der Person.
Die würdevolle Begleitung Sterbender und ihrer Familien ist ein unersetzlicher Beitrag zur Wahrung der Menschenrechte. Das zentrale Element der Arbeit der Hospizbegleiterinnen und -begleiter ist die Würde des Menschen, wie sie im Grundgesetz Artikel 1 verankert ist. Die Ehrenamtlichen des Hospizvereins Pfungstadt und Nördliche Bergstraße haben dieses Grundrecht zur Maxime ihres Handelns gemacht. Deshalb verleihen wir dem Hospizvereins Pfungstadt und Nördliche Bergstraße unsere SI-Menschenrechtstafel.
Die Menschenrechtstafel für den Hospizverein Pfungstadt und nördliche Bergstraße nimmt Birgit Schneider, hauptamtliche Koordinatorin des Hospizvereins, (links) von SISJ-Charterpräsidentin Eva Reinhold-Postina entgegen.
2022: Melibokusschule in Alsbach
Durch Corona verschoben sich geplante Verleihungen von Menschenrechtstafeln. Deshalb übergaben wir im Sommer 2022 (und nicht am „Tag der Menschenrechte) unsere vierte SI-Menschenrechtstafel an die Melibokusschule in Alsbach. Die Begründung lag für uns Soroptimistinnen auf der Hand: Schulen sind Stätten der Bildung, und Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Die Melibokusschule setzt sich für das interkulturelle Lernen ein. Besonders lobenswert ist der Deutsch-Intensivunterricht für Schülerinnen und Schüler, die ohne Deutschkenntnisse in die Melibokusschule kommen. Neben der gezielten Sprachvermittlung gilt das Engagement hier der Integration, die durch die Einrichtung unterstützender Maßnahmen gefördert wird. Wir würdigen damit der Einsatz der Schule und ihrer engagierten Pädagoginnen und Pädagogen für die Bildung junger Menschen in der Region.
Die Melibokusschule ist eine kleine kooperative Gesamtschule, die an der nördlichen Bergstraße rund 730 junge Menschen zwischen den Klassenstufen 5 und 10 unterrichtet. Sie arbeitet im Verbund mit dem Schuldorf Bergstraße in Seeheim-Jugenheim, mit dem wir als SI-Club eng kooperieren, zum Beispiel bei der jährlichen Vergabe des Henny-Koch-Preises. Mit ihren Grundwerten Chancengleichheit, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit und Transparenz, Demokratie und Partizipation, gegenseitiger Respekt und Toleranz pflegt und schützt die Melibokusschule die Menschenrechte. Deshalb verleihen wir ihr unsere SI-Menschenrechtstafel.
Schulleiter Matthias Volkardt erhält die Menschenrechtstafel für seine Schule aus der Hand von SISJ-Präsidentin Gisela Dallhammer (2020-2022).
2021: Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt
An den Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt verleihen wir am Weltfrauentag 2021 unsere dritte SI-Menschenrechtstafel. Seit 2001 setzt sich der Arbeitskreis für die Erhaltung und kulturelle Belebung der historischen Synagoge in Pfungstadt ein, einem Nachbarort von Seeheim-Jugenheim. Der Arbeitskreis erinnert an Menschen, vorwiegend jüdischen Glaubens, die während der Nazidiktatur systematisch ihrer Rechte beraubt, verfolgt, vertrieben und schließlich ermordet wurden. Die Verfolgung begann 1933 mit der Missachtung der Menschenrechte – zunächst in Deutschland und später in den überfallenen und besetzten Nachbarländern. Das darf in unserem Land nie mehr passieren. Deshalb verleihen wir die Menschenrechtstafel an Vereine und Initiativen, die sich mit ihrer Arbeit für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Der Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt ist ein hervorragendes Beispiel dafür.
Den Weltfrauentag haben wir nicht zufällig gewählt, sondern wir erinnern damit auch an den ersten deutschen SI-Club, der 1930 in Berlin gegründet – und 1933 bereits wieder verboten wurde. Unsere erste deutsche SI-Präsidentin war die Internistin und plastische Chirurgin Dr. Edith Peritz. 1936 musste sie als Jüdin aus Deutschland fliehen. In den USA fand sie eine sichere zweite Heimat. Auch die Arbeitsgemeinschaft Ehemalige Synagoge hat spannende Frauengeschichten recherchiert, zum Beispiel das Schicksal von Irene Storms Bento, der berühmten Zirkusreiterin, die dank couragierter Helfer im Zirkus die Nazizeit überlebte. Mit seiner Erinnerungsarbeit hat der Arbeitskreis vielen Verfolgten der Nazizeit einen Teil ihrer Menschenwürde zurückgegeben. Und deshalb hat unsere Menschenrechtstafel am Sitz des Vereins, an der ehemaligen Pfungstädter Synagoge, einen hervorragenden Platz.
Gleich montieren ließ der „Arbeitskreis ehemalige Synagoge“ unsere SI-Menschenrechtstafel an der früheren Synagoge in Pfungstadt. Links die Arbeitskreisvorsitzende Renate Dreesen, rechts im Bild SISJ-Präsidentin (2020-2022) Gisela Dallhammer.
2021: Sterntaler-Lädchen in Seeheim AWO
Am Weltfrauentag 2021 verleihen wir unsere zweite SI-Menschenrechtstafel an das Sterntaler-Lädchen der AWO in Seeheim. Die Ehrung kommt rechtzeitig zum zehnten Jubiläum des ehrenamtlichen Projekts. Im Sterntaler-Lädchen, das aus der AG GuT hervorgegangen ist und das die Arbeiterwohlfahrt Seeheim betreibt, können bedürftige Familien günstig Kleidung, Haushaltswaren, Spielsachen, Kinderbetten und Kinderwagen bekommen, die von Bürgern gespendet wurden. Die Zielgruppen sind Familien mit kleinem Budget und Migrantenfamilien. Mit ihrer ehrenamtlich Arbeit und dem niederschwelligen Angebot setzen sich die Frauen im Sterntaler-Lädchen tagtäglich für die Wahrung der Menschenrechte ein und für den würdevollen Umgang miteinander. Dieses außergewöhnliche und selbstlose Engagement zeichnen wir mit unserer „Menschenrechtstafel“ aus.
Das Sterntaler-Lädchen ist seit dem Bau des „Forum am Rathaus“ umgezogen und hat sein Domizil nun in der Sandstraße 83 in Seeheim. Was uns besonders freut: Die SI-Menschenrechtstafel ist gleich am Eingang des Lädchens gut sichtbar montiert.
Bei eiskaltem Wetter, mit viel Abstand und unter polizeilichen Auflagen vergeben wir die zweite Menschenrechtstafel am 8. März 2021, zum Weltfrauentag. Im Bild vorne links SISJ-Präsidentin 2020-2022) Gisela Dallhammer.
2020: SzenenWechsel e.V.
Unsere erste Menschenrechtstafel vergeben wir am 10. Dezember 2020 unter rigiden Corona-Auflagen an den Verein SzenenWechsel in Jugenheim. Das Frauen- und Familienzentrum Szenen-Wechsel kümmert sich seit 1993 um junge Familien, Alleinerziehende, um Zugezogene und auch um geflüchtete Neubürger und bietet ihnen allen einen Treffpunkt und eine Anlaufstelle für viele Fragen von kleinen Probleme bis zu echten Notlagen. Mit der „Menschenrechtstafel“ würdigen wir vom Club Soroptimist Seeheim-Jugenheim dieses langjährige, außergewöhnliche Engagement für Werte, für die auch wir als Soroptimistinnen stehen.
Verleihung der ersten Menschenrechtstafel unter Coronabedingungen mit Abstand. Links SISJ-Präsidentin Gisela Dallhammer (2020-2022) mit der Urkunde, rechts die Vorsitzende des SzenenWechsels, Gaby Jaspert, mit der Menschenrechtsttafel.